Text zu Ansichten und Entstehung der Bilder für die
Einleitung
Strukturen stellen zugleich Betrachtungsweise und Methodik für die Realität in den Bildern von Miki Früh dar. Strukturen, wie sie als systemische Zusammenhänge vorkommen, und Strukturen, die klar erkennbar und auf den ersten Blick erfahrbar sind. Es ist besonders die Schicht darunter, die zu entdecken und aufzudecken, den Nährboden für seine Bilderwelten liefern. Das Alltägliche, aber meist Ungesehene tritt hiermit zu Tage. Dinge, Vorkommen, Verhaltensweisen gewinnen mit diesem Ansatz, die Welt zu betrachten, ihre tiefere Bedeutung, erhalten einen neuen Kontext und legen ein ganzes Netzwerk an Gedanken offen. Durch die Analyse der Strukturen, werden oft neue Symbole gefunden und mit erweiterten Bedeutungen aufgeladen – sie werden Repräsentanten von neuen Zusammenhängen.
Anhand dieser Methodik stellt sich nun Miki Früh der Aufgabe, sich mit dem Thema Krebs auseinander zu setzen.
Krebs – die Krankheit, die selten im ‘normalen’ und alltäglichen Leben Gesprächsstoff ist, hat mit schlimmen Leid zu tun, konfrontiert oft mit der Konsequenz Tod. Ganze (ferne|entlegene) Welten tun sich da auf: Die eigene Scheu und Abwehr, sich dem Thema zu nähern wird Bildinhalt.
Die Herangehensweise
Da zerfallen Lebensentwürfe, werden Sinn- und Schicksalsfragen gestellt, Orientierung und Hilfe gesucht, Verzweiflung, Resignation, aber auch neuer Mut wird gefasst, der Krankheit die Stirn geboten.
Zum Teil leise, introvertiert und zaghaft finden erste Versuche statt, sich darauf einzulassen und Bilder zu finden – zum anderen schreit etwas stumm auf, will laut sein, nimmt sich dann aber wieder zurück. Ein Hin- und her an Betrachtungsweisen entsteht, muss gebündelt werden, eine Aussage, ein Symbol gefunden werden. Rücksicht und Vorsicht gehen einher – immer darauf blickend, keinen Erkrankten oder Angehörigen belehren oder gar beleidigen zu wollen.
Die Desorientierung, der Schock, die Psyche werden symbolhaft, fast surreal als Bilder umgesetzt – das Unsägliche nachempfunden. Ständig entschlüpft das Thema in einer Verzweigung von Bedeutungen. Dann kristallisieren sich Bilder heraus, die einige Aspekte beleuchten aber längst nicht allen gerecht werden können.
Was wirkt auf die Betroffenen von außen her ein? Heilsversprechen und Hoffnung durch diverse Angebote und Institutionen: klassische Schulmedizin, Glaube, Gott, Esoterik, alternative Medizin etc. schaffen ein Durcheinander an Informationen, müssen verarbeitet werden man mag sich die Frage stellen: “Wer hat recht? Wie geht es weiter? Wegschieben, Wegschauen, Ignorieren, Flucht und Resignation als Verhaltensweise?
Der Mensch verhält sich unterschiedlich – genauso unterschiedlich, wie die Auswirkungen der verschiedenen Krebsarten auf das Weiterleben sind. Eine pauschale Abhandlung ist nicht möglich und dennoch müsste allen eines gemein sein: Der Wunsch geliebt zu werden, sich fallen lassen zu können und aufgefangen und gerettet zu werden.
Der Titel der Ausstellung “meta>fern” wurde gewählt, weil er ausdrückt, wie mit Worten und Bedeutungen gerungen wird.
Metaphern sind im rhetorischen Sinne, vereinfacht gesagt, übertragene Bedeutungen einer Sache, die entweder nicht direkt genannt wird, die als Wort derart negativ ist, dass ein anderes Bild gewählt wird, oder eine Abstraktion durch eine andere Begriffswahl konkretisiert wird.
In dem Wortspiel aus der griechischen Vorsilbe ‘meta’ und ‘fern’ wird der Sinngehalt der Metapher selbst zum Bild, wobei die ‚fälschliche‘ Schreibweise an Distanz denken lässt, für weit weg, weit hergeholt und entrückt. Damit sind verschiedene Blickwinkel zum Ausdruck gebracht: aus der Ferne und mit Distanz betrachtet und zugleich von hier aus, vom Jetzt IN die Ferne geblickt.
Artikel vom Fürstenfeldbrucker Tagblatt (PDF): Das Bild im Kopf ist immer schon fertig
Danke an die Bayerische Krebsgesellschaft, die diese Ausstellung ermöglicht hat. Ich danke auch allen Beteiligten und Besuchern für diesen schönen Erfolg! Vor allem möchte ich aber auch den Käufern danken!